Finkenwerder Kunstpreis: Neuausrichtung ermöglicht zwei hochdotierte Preise

Renée Green erhält den Finkenwerder Kunstpreis 2022.
Frieda Toranzo Jaeger erhält den Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg 2022.

Der 1999 vom Kulturkreis Finkenwerder e.V. initiierte Kunstpreis Finkenwerder hat in Kooperation mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg eine Neuausrichtung erfahren: Als neuer Partner erweitert die HFBK Hamburg den Preis um den Aspekt der künstlerischen Nachwuchsförderung und richtet ab 2022 die Ausstellung der Prämierten in ihrem Atelierhaus-Neubau am Lerchenfeld aus.

Nachdem bislang zehn so namhafte Persönlichkeiten wie Georges Adéagbo, Candida Höfer oder Daniel Richter je einzeln mit dem Finkenwerder Kunstpreis ausgezeichnet wurden, wird es zukünftig neben dem Hauptpreis in Höhe von 20.000 Euro auch den Finkenwerder Förderpreis der HFBK
Hamburg geben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und richtet sich an Graduierte der Kunsthochschule. Airbus Operations GmbH finanziert die Preise einschließlich Ausstellung und Publikation mit insgesamt 50.000 Euro. Eine wechselnde Fachjury, eingesetzt durch ein Kuratorium, wählt aus selbst eingebrachten Vorschlägen die preiswürdigsten aus.

Der Jury zur Bestimmung der Preisträgerinnen 2022 gehörten in diesem Jahr Thomas Demand, Simon Denny, Martin Köttering, Bettina Steinbrügge und Jorinde Voigt an. Auf ihrer Sitzung am 7. Juli 2021 sprach sich die Jury einstimmig für Renée Green als Hauptpreisträgerin und für Frieda Toranzo Jaeger als Trägerin des Förderpreises aus. Beide sind im Frühsommer 2022 im Rahmen der feierlichen Preisverleihung in zwei parallel stattfindenden Einzelausstellungen in den neuen Galerieräumen der HFBK Hamburg zu entdecken.

Mit Renée Green (1959) entscheidet sich die Jury für eine international renommierte Position, die seit den 90er Jahren bekannt ist für komplexe konzeptuelle Installationen. Als Reisende sammelt Green Erfahrungen, Geschichten und Wissen an unterschiedlichen Orten und setzt diese miteinander in eine lebendige Verbindung. Gesprochene und geschriebene Sprache – dokumentarisch, poetisch, fiktiv – findet ihren Ausdruck auf Textilien und Malereien, auf Dokumenten, Notizen und Fotografien, in Büchern, Hörstücken und Videos. Bedeutungen werden dadurch fließend, Erkenntnisse hinterfragt. Die Jury hebt für ihre Wahl insbesondere das bereichernde wie aktuelle Potential von Renée Greens recherchebasierten Arbeiten hervor, die in ihrer thematischen Vielfalt von Musik und Popkultur über Ortsspezifität und Architektur bis zu Migration, Dekolonisation und Feminismus reichen.

Frieda Toranzo Jaeger (1988, MFA 2020 bei Prof. Jutta Koether) kombiniert installative Malerei mit Anleihen an traditionelle mexikanische Textilarbeiten und Performance, um Ideen von Hybridität, Sexualität und Autonomie zu erforschen. Malerei wird bei ihr buchstäblich dezentriert und als eine verblichene Illusion von Autorschaft und Kontrolle vorgeführt. Überzeugt hat die Jury Toranzo Jaegers durchdachte Verschränkung unterschiedlicher Kulturen und ihrer Zeichensysteme. Die Arbeiten der Künstlerin waren bereits in Einzelausstellungen prominent zu sehen, unter anderem zuletzt im Baltimore Museum of Art (2021) und bei der Galerie Barbara Weiss in Berlin (2019).


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Sabine Boshamer für die HFBK Hamburg
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