Der Zauber im Experiment

Zum 10. Mal wurde bei Airbus in Hamburg der mit 20.000 Euro dotierte Kunstpreis Finkenwerder verliehen – eine der begehrtesten Kunstauszeichnungen in Europa. Preisträgerin im Jubiläumsjahr ist die belgische Künstlerin Edith Dekyndt. Rund 200 Gäste kamen zur Preisverleihung ins A380 Delivery Centre und lernten die Künstlerin und ihre Werke kennen.

Standortleiter Dr. Georg Mecke blickte anlässlich der 10. Verleihung des renommierten Preises an Edith Dekyndt zurück: „So international und kreativ wie die Künstler, die ihre Werke hier präsentiert haben, arbeiten auch die Ingenieure bei Airbus. Kunst verbindet Menschen – genau wie die Flugzeuge. Darum ist es eine schöne Tradition, dass sich hier bei Airbus, im Herzen des Flugzeugbaus, alle zwei Jahre Menschen treffen, um Kunst zu betrachten und darüber zu diskutieren.“

Die Preisträgerin hat immer schon gern experimentiert und dann aufmerksam beobachtet, wie sich Dinge des alltäglichen Lebens verändern. Als Kind baute die Tochter einer Hutmacherin am Strand Figuren in den Sand und studierte, wie sie vom Meer verwandelt oder einfach weggewaschen wurden. In ihren Installationen, Objekten und Videos dokumentiert sie Prozesse von Transformation und Verfall. Ihre Versuchsanordnungen folgen physikalischen Gesetzen und entfalten dabei eine fragile Schönheit.

Die Vielseitigkeit von Edith Dekyndt, die in Brüssel und Berlin lebt, verblüfft. In ihrem Video „Martial O“ beispielsweise dokumentiert sie aufrecht stehende Magnetsplitter, die wie ein hysterisches Insekt um einen Krater aus Metallstaub sausen, in „Static Sound“ entlädt eine im Dunkeln geschüttelte Wolldecke hörbar Elektrizität. Der dumpfe Klang kontrastiert mit den ästhetischen Bildern, die in Wellen über einen Bildschirm gleiten. Auch mit Leinwänden und Stoffen experimentiert Edith Dekyndt und lässt präparierte Fahnen, Vorhänge und andere Stoffe ihren eigentümlichen Zauber entfalten.

„In einem bestimmten Moment habe ich eine Idee und stelle mir die Frage, wie ich sie so einfach wie möglich umsetzten könnte und offen“, sagt Edith Dekyndt, deren Werke weltweit in renommierten Ausstellungen und Sammlungen präsent sind.

Die Nominierung für den Kunstpreis Finkenwerder hat Edith Dekyndt überrascht. Über die Frage nach dem originellsten Kompliment, das ihrer Kunst gemacht wurde, muss sie lange nachdenken und erzählt, dass ein Bekannter sie mal gefragt habe, wo eigentlich die Kunst in ihren Werken stecke. Darauf hat sie geantwortet: „Ich weiß nicht, ob das, was ich mache Kunst ist“… und sich aufs nächste Experiment vorbereitet.

Der Finkenwerder Kunstpreis wird seit 1999 bei Airbus verliehen. Namhafte Künstler haben ihn bekommen, darunter Candida Höfer, Neo Rauch, Daniel Richter, Thorsten Brinkmann, Ulla von Brandenburg, Christian Jankowski und Georges Adéagbo. Im Rahmen der Preisverleihung bei Airbus zeigt das Kunsthaus Hamburg in Kooperation mit der Kunsthalle Werke von Edith Dekyndt.

Airbus News Juli 2019